BESUCH IM LETTISCHEN NATURPARADIES

Die Verlängerung an der „Karibik der Ostsee“ und die unterhaltsamen Filmdrehs tun wirklich gut und verleihen uns die nötige Energie für einen kleinen Umweg auf der Heimreise über die Seenplatte und das Naturparadies an Lettlands Hauptfluss im Südosten des Landes. Und die Lage des Camps am Fluss unterstützt uns auch dabei …

 

Über schon bekannt gute Straßen geht es an der Rigaer Bucht entlang südwärts, da wir Teile davon schon 2011 und 2015 besucht haben, fahren wir inklusive Tankstopp in Jurmala auf schnellstem Wege von Riga das Daugava-Tal entlang in den äußersten Südosten Lettlands.
Die E22 und die A6 entpuppen sich als großteils neue Highways, die die Hauptverkehrsader Richtung Weißrussland bilden und bestens ausgebaut sind. So schaffen wir in weniger als 6 Stunden die West-Ost-Durchquerung des Landes und machen uns auf Campsuche in der Umgebung von Daugavpils, der 2. größten Stadt des Landes.

 

Ausklang im Naturparadies der Daugava

Mit Hilfe von Google Maps haben wir uns für ein Camping mit dem klingenden Namen Ozianna direkt im Naturpark in den „Daugava-Bögen“ entschieden und unsere Entscheidung kommt nur einmal ins Wanken, als sich bei Anfahrt die Straßenverhältnisse abseits der Hauptstraße sukzessive verschlechtern … die letzten Meter in die Flussauen sind eine Schotter-Sand-Piste mit vielen Querrillen und Riesenschlaglöchern – wir schaffen es mit viel Vorsicht und Geschick.

Dafür entschädigt uns nach erster Skepsis Lage und Outfit der Anlage am Fluss: Ein idyllisches Holzhüttendorf, das ebensolche Stell- und Zeltplätze an der Vorderfront bietet und überraschend auch mit passablen sanitären Einrichtungen aufwartet. Und das all inclusive um 15,- €uro … alles bestens – also ab ins Naturparadies.

Der Naturpark wurde in den Niederungen der Daugava angelegt, um die einzigartige und ungewöhnliche Landschaft des Daugava-Mittellaufs, seine wertvolle Natur, die biologische Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt und die kulturhistorischen Denkmäler zu erhalten. Und davon gibt es jede Menge … https://www.latvia.travel/de/sehenswurdigkeit/naturpark-daugavas-loki-daugava-bogen

Nach Campaufbau und Stärkung unternehmen wir eine erste Wanderung, die an einem riesigen Holzturm endet, der gewaltigen Ausblick auf den sich dahin schlingenden Fluss, das zumeist bewaldete oder agrarisch genutzte Hinterland und auch die nur wenige Kilometer entfernte weißrussische Grenze bietet.

Am Abend beobachten wir auch eine Gruppe von Kanufahrern und SUPs, die sich in Anbetracht von starkem Gegenwind gemächlich flussabwärts bewegen und wir bekommen natürlich auch Lust, uns auf dem Wasser zu bewegen. Für den nächsten Besuch hier versprechen wir uns hoch und heilig, immer unsere Skijaks mitzunehmen!

Der Fluss ist natürlich auch ein Eldorado für Vogelkundler und Angler und wir beobachten Reiher, Störche & Co. sowie die Versuche der Campnachbarn beim Fischen … übrigens sehr erfolgreiche Versuche. Leider sind wir selbst einfach zu relaxed und auch ausgelaugt, es selbst auch zu versuchen.

Kirchentag und Seenrunde mit Ausklang in der Großstadt

Aufgrund der unsicheren Wettersituation entschließen wir uns tagsdarauf für eine Rundfahrt durch die nördlich der Daugava gelegene Seenplatte mit abschließendem Besuch in Daugavpils.

Highlight der Region ist die Kathedrale von Aglona – wie überhaupt das Leben hier von starker religiöser Zugehörigkeit bestimmt ist. So wird unsere Tour auch hauptsächlich zum „Kirchentag“, was aber ob der unvermeidlichen Regengüsse kein Beinbruch ist.

Ob es „göttliche Fügung“ ist, dass sich ausgerechnet bei unserem Rundgang in Aglona die Sonne zeigt, sei dahingestellt. So aber bekommen wir mittels bester Lichtverhältnisse einen Eindruck von der riesigen Anlage um die bekannteste Wallfahrtskirche des Landes, wo rund 100.000 Pilger Platz finden.

Die „Basilika Mariä Himmelfahrt“ von Aglona erhielt als römisch-katholische Wallfahrtskirche den seltenen Titel eines internationalen Heiligtums sowie einer „Basilica minor“. Sie wurde im auslaufenden 18. Jahrhundert im späten italienischen Barockstil errichtet und Papst Franziskus besuchte die Kirche auf seiner Pastoralreise durch das Baltikum 2018.

Die Kirche ist eines der 8 vom Heiligen Stuhl anerkannten Internationalen Heiligtümer und vor allem anlässlich des wichtigsten Festes zu Mariä Himmelfahrt am 15. August wird eine Riesenanzahl von Pilgern angezogen, manchmal über 100.000. Der Ruhm des Heiligtums reicht weit über die Grenzen Lettlands hinaus, mit einer großen Zahl von Pilgern aus Russland, Weißrussland und Litauen.

Durch eine Regenfront geht’s es nach Daugavpils, wo wir bei aufklarendem Wetter zu einer bemerkenswerten Kirchenrunde starten, denn in unmittelbarer Nähe finden wir eine russisch-orthodoxe Kathedrale sowie ihr lutheranisches und katholisches Gegenstück – alle 3 sehr eindrucksvoll und höchst unterschiedlich. Anm.: In der russisch-orthodoxen Kirche wollte man fürs Filmen Eintritt verlangen …!

Daugavpils ist einen Besuch wert

Grundsätzlich stehe ich den „städtischen Werten und Errungenschaften“ ja mit Skepsis gegenüber, aber der Besuch von Lettlands zweitgrößter Stadt entpuppte sich als positiv. Die Stadt, die heute rund 92.000 Einwohner zählt, nachdem sie zum Ende des Sowjetimperiums mit 130.000 Einwohnern einen Höchststand erreicht hatte, blüht gerade so richtig auf. Die Innenstadt zeigt sich in vielen Bereichen bereits von ihrer besten und modernen Seite, das Fehlen von Hochbauten wirkt angenehm und hat auf das geschäftige Leben kaum Einfluss.

Im Gegenteil – die zentrale Lage der Stadt nahe der litauischen und weißrussischen Grenze haben die Wirtschaft so richtig angekurbelt … auch der Weg nach Moskau verläuft hier! Zusätzlich bieten die Daugava und die Bahnlinie wirtschaftliches Potenzial.

An die herrschenden Coronazeiten machen im hochmodernen Einkaufstempel im Zentrum völlig unaufgeregt Hinweisschilder aufmerksam, die zur Einhaltung von „2 m Abstandsregeln“ und Händehygiene auffordern, was aber hier in Anbetracht des normalen menschlichen Umgangs kein Problem darstellt.

Nach wirklich umfassender freundlicher Aufklärung im nagelneuen Infocenter und ausgezeichneter Stärkung in einer Cafebar endet unsere Besichtigungstour in einem außergewöhnlichen Relikt – der Zitadelle aus dem 19. Jahrhundert. Diese „Stadt in der Stadt“ ist kulturhistorisch bedeutend, da sie als einzige Anlage dieser Art in Osteuropa vollständig erhalten ist.

Die Festungsanlage, die heute noch voll benützt wird, hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Während der Zarenzeit saßen hier die Staatsverbrecher ein, danach nutzten die Armee des jungen lettischen Staates und ab 1940 die Sowjets die Anlage.

In den Kriegswirren war es auch Kriegsgefangenenlager der deutschen Besatzer und ein Ghetto für die einheimischen Juden.

Während der sowjetischen Besetzung wurde die Zitadelle von der technischen Abteilung der Roten Armee als Kaserne und Ausbildungsstätte für Offiziere genutzt, teilweise umgebaut und mit etlichen monotonen Plattenbauten als Personalwohnbauten ergänzt. Diese Gebäude werden weiterhin genutzt. Inzwischen wurden mit Mitteln der EU einige Gebäude restauriert und werden als Museen und Verwaltungsgebäude (z. B. Polizeipräfektur) genutzt. Im Hauptgebäude wurde ein Museum mit Werken des lettisch-amerikanischen Künstlers Mark Rothko, der als Marcus Rothkowitz in Dünaburg geboren wurde, eingerichtet.

Da die Anlage bis auf wenige Abstriche zu besuchen ist, erkunden wir auch Teile der Wehrmauern und Zugangsbereiche und drehen eine lustige Videoaufnahme per Auto …

 

Heimreise über Litauen, Polen und Slowakei

Der Heimweg steht natürlich vorrangig im Zeichen der Frage, ob und in welcher Form wir es mit Grenzkontrollen zu tun haben werden. Eines vorweg: Außer ein paar gelangweilten Polizisten, die sich an der litauisch-polnischen Grenze so gut wie gar nicht um Nicht-Lkws kümmern, bleibt es wie gehabt: offene Schengengrenzen, keine Behinderungen und keinerlei Hinweis auf Einreisebeschränkungen und Kontrollen … nur an der slowakisch-österreichischen Grenze bei Bratislava „schleift“ man uns über eine Umleitung an der ehemaligen Grenzstation – ebenfalls ohne Reaktion!

Als Route haben wir wieder unseren gewohnten Weg aus dem letzten Jahrzehnt über Warschau und die Slowakei gewählt, in Anbetracht der Baustellensituation bei Lodz lassen wir uns aber die Alternativroute über Krakau offen. Nach günstigem Tankstopp in Zarasai gleich hinter der lettisch-litauischen Grenze – Litauen gilt als günstigstes Spritland der Tour – durchqueren wir Litauen via Kaunas in knapp 4 Stunden auf guten Straßen und Autobahnen, ehe wir nach problemlosem Grenzübertritt nach Polen und Tankstopp in Bialystok das weitere Vorgehen erörtern.

Da wir uns als zeitliches Ziel setzen, spätestens bis 19,00 h ein Camp anzusteuern, suchen wir uns ein mögliches Ziel südlich von Warschau. Nach flottem „Ritt“ auf der neuen A8 und durch die Hauptstadt dank Google Maps gelangen wir in ein Camping, das sich als idyllische Überraschung entpuppt: Ein Stellplatz am „Venice Palace Hotel“ – einem Romantikhotel am Teich im Stile von „venezianischem Barock“, das Camping mit Nutzung aller Einrichtungen des Hotels bietet.

So wird dieser Stopp für uns zu einem außergewöhnlichen Abend mit tollem Essen und relaxtem Erholen … so angenehm, dass wir uns bereits in den ersten Morgenstunden völlig erholt auf den weiteren Heimweg machen können. Das beeinflusst vor allem die Entscheidung, welchen Weg in den Süden wir wählen werden … weil wir bereits um 6,00 Uhr unterwegs sind, wagen wir die Route über die um einige Kilometer kürzere Autobahn-Großbaustelle bei Lodz auf der neuen A1 und haben Erfolg, denn ohne Stau sind wir gegen 9,00 h im Bereich von Kattowitz. Hier legen wir eine ausgedehnte, verdiente Frühstückspause aus, ehe wir noch vor Mittag die Grenze in die Slowakei bei Cadca überschreiten.

Der Rest der Route ist Formsache, wir kennen sie seit 2010 und nach letztem Tank- und Jausenstopp am Neusiedlersee erreichen wir nach insgesamt 19,5 Stunden Fahrzeit und 1570 km die Heimat, wo uns eine große „Überraschung“ erwartet: Hatten wir es auf der Fahrt ab Warschau mit stets steigenden Temperaturen von 20° bis 32°C im Osten Österreichs zu tun, so warteten ab Semmering Regen und 20° auf uns … wie schön – fast im Urlaub!

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