Good Night Saigon

Good Night Saigon

GOOD NIGHT SAIGON

…. ODER BESSER: EINE STADT ERWACHT

Eine Stadt erwacht … ein ganzes Land erwacht …. Wirtschaftswachstum im 2-stelligen Bereich.

In allen Büchern und Illustrierten ist nur mehr davon die Rede, wie das Land am Südostrand des asiatischen Festlandes nach den Repressalien des Krieges nun erwacht, sich entwickelt und eigentlich boomt a la Singapur oder Hongkong.

Eine Stadt erwacht … ein ganzes Land erwacht …. Wirtschaftswachstum im 2-stelligen Bereich.

In allen Büchern und Illustrierten ist nur mehr davon die Rede, wie das Land am Südostrand des asiatischen Festlandes nach den Repressalien des Krieges nun erwacht, sich entwickelt und eigentlich boomt a la Singapur oder Hongkong.

Wir bekommen davon anfangs allerdings nichts mit, denn vor allem ich laboriere beim Abgang am südkambodschanischen Strand an einem waschechten „Sonnenstich“ samt Fieber, schwerem Durchfall und noch nie erlebter Appetitlosigkeit. Und Gerlinde kämpft schon länger mit Darmproblemen. Relaxing pur …

Die Reise über Phnom Penh (per Bus 4 Stunden), dann per Flugzeug (30 min.) nach Saigon mit Vietnam Airlines (das Kombipaket inkl. Rückflug nach Bangkok war um 100% billiger als ein Einzelflug …) ging mehr oder weniger leicht in Trance unseres etwas angegriffenen Gesundheitszustandes unter. Trotzdem wirkten wir richtig relaxt, als wir in Ho Chi Minh City Airport (vorher Saigon, seit 1975 von den Nordvietnamesen zu Ehren ihres Revolutionsführers umbenannt) landen, bereits ein Visum haben und die Zollformalitäten ganz gemütlich an uns vorbeiziehen lassen. Pickup vom gebuchten Hotel steht bereit und in ca. 30 min. geht’s in den District 5 nahe Chinatown … alles schon gehabt.

Was wissen wir von Saigon bzw. welche Klischees lassen uns das wissen?

Die Klänge aus Billy Joel’s „Good night Saigon“ lassen uns unsere Tour natürlich in der „Dong Khoi“ beginnen, wo sich das Abbild der Kriegswirren spiegelt. Zuerst von den Franzosen als Flaniermeile und Prachtstraße des kolonialen Lebens erkoren wurde die nur knapp 2 km lange Straße von den Vietnamesen zuerst auf „Tu Do“ (Freiheit) umbenannt. So lernte sie auch eine ganze Generation junger amerikanischer GI’s kennen … mit allen möglichen Etablissements zur Zerstreuung …. und wir kennen sie aus allen Vietnam-Krieg-Epen …. allen voran „Good Morning Vietnam“ mit Robin Williams oder Apocalypse Now.

Heute gehört sie zu jenem Teil Saigons, der eine gewaltige Renaissance erlebt. Und als Multiplikator des allseits sichtbaren Aufschwunges erleben wir in diesen Tagen die Vorbereitungen zum größten vietnamesischen Fest: dem „Tet“-Fest – das Mond-Neujahrsfest, das stets zu Neumond Ende Jänner/Anfang Feber stattfindet. Ein Mehr an Blumen, Glücksbringern und Ramsch vermittelt eine Stimmung wie man es vom Times Square in New York Ende der 40-er-Jahre kennt oder von Europa Anfang der 60-er …. vom Hörensagen natürlich!

Saigon bietet aber mehrere Gesichter. Dem wohlbetuchten Touristen wird sich dabei nur die „Butterseite“ präsentieren, die die Innenstadt bietet, schon eine Fahrt mit einem der Millionen Taxis Richtung Saigon-Fluss oder Chinatown gewährt uns die – nun fast schon gewohnten – Einblicke ins eigentliche Leben in dieser Region. Hier gibt es das übliche „Gewühl“, vielleicht etwas weniger Dreck als in Kambodscha, dafür mehr Motos & weniger Platz am Gehsteig.

Saigon selbst hat eine geschätzte Einwohnerzahl von 10 bis 11 Millionen …. geschätzt deshalb, weil die Zahl derer, die illegal in der Stadt ihr Glück versuchen, nur schwer messbar ist. Und das ist das Problem dieses Landes. Denn einerseits bietet der Agrarstaat eine Fülle und Pracht an allem, was essbar und kochbar ist, andererseits wird die Spirale der Unzufriedenheit durch die Dollars, die jetzt so kräftig durch den Tourismus ins Land fließen, schön langsam zum Fluch.

Wichtig ist aber – nicht fluchen: verhandeln!

In der Stadt gönnen wir uns den Besuch des Kriegsmuseums, wo die Tage des US-Terrors knallhart dokumentiert werden …. die Amis fahren trotzdem mit Freude hierher !?! …. inkl. Stadttour per Cyclo, dessen Dienste wir aber erst nach Zehenverletzung benötigen. Von zwei alten Vietnamesen werden wir in einer Nebenstrasse aber derart mitleidig versorgt, dass wir den Rest des Tages am Radsitz vorne verbringen …. inkl. Stadtrundfahrt und Marktbesuch.

Eine Tour führt uns auch in die Umgebung der Stadt zu den berühmten unterirdischen Lehmtunnelsystems von Cu Chi, wo sich die Vietnamesen kongenial gegen die amerikanische Übermacht wehrten. Ein verwirrendes und nur für schlanke südostasiatische Typen zu bewältigendes 250 km System, in dem sie zeitweise ihr Leben verbrachten. 50 m hat man – hauptsächlich für gut genährte Amis – verbreitert … ich zwänge mich durch – schweißgebadet. Nix für Leute mit Platzangst!

Und dann buchen wir als krönenden Abschluss unserer Tour 3 Tage Mekongdelta … ein geographischer Studententraum …

Good morning Vietnam

Good morning Vietnam

GOOD MORNING VIETNAM

…. DIE “9 DRACHEN” DES MEKONG DELTA

Wenn der Mekong von Kambodscha kommend Vietnam erreicht, hat der drittlängste Strom Asiens bereits eine Strecke von 4000 km hinter sich.

„9 Drachen“ nennen die Einheimischen das Delta des Mekongs in Anspielung auf seine 9 großen Mündungsarme, die eines der wirtschaftlichen Wunder des Kontinents geschaffen haben. Und 9 ist die absolute Glückszahl der Vietnamesen ….

Auf nur 10% der Landesfläche werden fast 40% des Getreidebedarfes produziert und man nennt das Land nicht umsonst die Reiskammer Vietnams. Eine Fahrt durch die Obstplantagen, Reisfelder und Sumpflandschaft wirkt wie eine Fahrt durch ein Geografie-Lehrbuch, aber erst seit 1975, denn im Vietnamkrieg lagen hier einige der Hauptkriegsschauplätze mit Giftgaseinsatz.

Wir haben wieder eine Guided Tour gebucht inkl. A/C-Taxi und (sehr schlecht) Englisch sprechendem Führer. In 1,5 Stunden schaffen wir die knapp 70 km durch das dichte Fahrzeugchaos von Ho Chi Minh City über unendliche Außenbezirke und erreichen bei My Tho einen der Mekongarme.

Zuerst gibt es den Besuch einer Pagode mit zahllosen Buddha-Statuen, dann als Überraschung das beste Hotel am Platz: Chuong Duong Hotel mit geräumigen Zimmern und herrlichem Balkonblick auf das geschäftige Leben am Fluss. Zum Relaxen bleibt aber keine Zeit, denn jetzt heißt es umsteigen auf eines der zahllosen Sampans, den Flussbooten.

Kreuz und quer geht es auf dem Fluss und einigen Seitenarmen, wir besuchen eine Fruchtfarm, wo uns Folklore dargeboten wird, während wir uns durchkosten, eine Coconuss-Candy-Fabrik, einer Bienenfarm (plus Python …. ganz ungefährlich natürlich …!?!) nähern wir uns auf einem Pferdewagen, dafür geht’s von dort dann auf einem kleinen von Coconut-Trees gesäumten Nebenpfad per Ruderboot weiter. Nach ausgezeichnetem Lunch mit gegrilltem „Elefant-Ear-Fish“ in Reisblättern ist erstmals Relaxen angesagt und am Abend werden wir Zeuge des Auftakts zum „Tet“-Neujahrsfest, denn in unserem Hotel findet scheinbar die offizielle Eröffnung hier statt – mit höllisch lauter Musik, Galadiner und auf den Straßen funkelt es und alles ist mit Millionen Blumen und Schmetterlingen geschmückt … obwohl noch fast 1 Woche Zeit ist!

Am 2. Tag geht’s vorerst per Auto durch obligatorische vietnamesische Slumdörfer und Dreckberge bis Cai Be, wo wir wieder ein Sampan besteigen. Einige Stunden sind wir nun zwischen Mekong und seinen Armen rund um die Insel An Binh unterwegs, besuchen zuerst den „Floating Market“ von Cai Be, dann eine Cocoszuckerlkocherei samt eigener Reisblätterherstellung zum Verpacken, eine Pop-Rice-Herstellung, ehe es tief ins Innere der Insel auf fast unwegsamem Kanalsystem geht. Nach ausgezeichnetem Lunch auf einer „Homestay Farm“ statten wir einer riesigen Fruchtplantage sowie einer großen Ziegelbrennerei einen Besuch ab, ehe wir bei Vinh Long wieder auf unseren Taxi-Driver stoßen.

Der Rest des Tages ist eine Fahrt durch endlose Reisfelder, Fotoshooting auf einer kleinen Farm samt „Monkey-Bridge“-Überquerung und Small-Talk mit den wirklich gastfreundlichem Einheimischen sowie einer urigen Fährfahrt über einen der zahllosen Mekongarme. An vielen Brücken wird hier im Delta dank ausländischen Finanzspritzen zwar schon gebaut, aber wir bekommen stets als Antwort auf unsere Frage nach Fertigstellung: „2 Jahre“ ?!? Wie in Bangkok …

Fähren, Schiffe bzw. alles, was schwimmt, sind hier das wichtigste Transportmittel für die Menschen, der Mekong ist „Lebensnerv“ und Transportweg in einem – am Fluss spielt sich alles ab und vom Fluss sind alle abhängig. Die Einzigartigkeit des Deltas liegt sicherlich im Gewirr der unzähligen Wasserstraßen, Kanäle und Nebenflüsse und so lässt sich dieses Wunderwelt auch am besten erkunden.

Auch in Can Tho – unserem Ziel für heute – wohnen wir wieder „nobel“: Saigon Can Tho Deluxe heißt unser Hotel und bietet als spezielles Service „Sauna + Dampfbad“ an … danke, aber hatten wir den ganzen Tag über (36°C, Anm. der Red.).

Tag 3 und diesmal heißt es früh raus. Um 7,30 h starten wir schon per Sampan zum „Floating Market“ von Cai Rang, dem größten seiner Art in der Region. Hat man erst mal die aufdringlichen Getränkeverkäufer, die sich an die Boote klammern, hinter sich gebracht, taucht man in ein Gewühl von schwimmenden Verkaufsbooten und schwimmenden Ständen ein, auf denen aber nicht nur verkauft wird, sondern auf denen die Menschen einen Großteil ihres Lebens verbringen. Wenn man die Fülle an Gebotenem sieht, kann man sich nur schwer vorstellen, dass schon wenige Meter hinter den Ufern wieder Dreck und Armut herrscht.

Für uns geht eine sagenhafte Tour mit nochmals tiefen Einblicken ins Leben der Reisbauern auf der Rückfahrt nach Saigon zu Ende, wir überqueren auch die bislang höchste Brücke des Deltas, My Thuan, bei An Hau und beziehen am Nachmittag ein wirklich originelles Hotel im Herzen der City: das im Indochina-Stil gehaltenen Ordinary Hotel.

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